Ein Tag für die Einkehr

Am 18. November ist Buß- und Bettag. Was das bedeutet und warum der Feiertag quasi nur in Sachsen arbeitsfrei ist.

Von Tom Vörös
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Der Buß- und Bettag bietet die Möglichkeit zur Selbstreflexion. © pixabay

Besonders im Vorfeld zur US-Wahl bekam man einen starken Eindruck davon, wie weit wir hier in Deutschland, im Gegensatz zu den USA, von einem intensiven religiösen Leben entfernt sind. Dennoch gibt es Tage im Jahr, die auch bei uns sowohl Christen als auch Nicht-Christen in einem Feiertag zusammenführen können.

Der Buß- und Bettag zum Beispiel. Den gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts, er fällt traditionell auf den Mittwoch vor dem Totensonntag, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. Für die meisten Deutschen beginnt er aber erst nach Feierabend, denn ein Feiertag ist er vielerorts nicht. Die einzige Ausnahme bildet unser Bundesland Sachsen. Hier ist der Buß- und Bettag bis heute ein gesetzlicher Feiertag. Am Mittwoch, den 18. November ist es wieder soweit.

Der Ursprung der Einkehr

Bereits in der römischen Antike setzte man auf Bußtage, um die Götter durch Opfergaben gnädig zu stimmen, etwa für eine ertragreiche Ernte. Buße ist ein Motiv, das in allen Religionen vorkommt. Doch in der christlichen Neuzeit begann alles in Straßburg, mit dem ersten protestantischen Buß- und Bettag im Jahre 1532. Damals hatte man Angst vor den Folgen der Türkenkriege. Und man benötigte ein Äquivalent zur katholischen Beichte, als Anlass zum selbstkritischen Innehalten und Nachdenken, über sich selbst, seine Werte und Ideale, über sein Verhalten im Umgang mit anderen Lebewesen und die Beziehung zu Gott und zum Glauben.
1852 beschloss dann die Eisenacher Evangelische Kirchenkonferenz den Mittwoch vor dem Totensonntag als gemeinsamen Buß- und Bettag der deutschen Länder. Allerdings dauerte es noch ein paar Jahrzehnte, bis sich alle darauf einließen.

Warum in Sachsen alles anders ist

1995 entschied man sich allerdings für die Abschaffung des Buß- und Bettages in Deutschland. Der Grund: Im Jahr 1995 wurde in Deutschland die Pflegeversicherung als Pflichtversicherung eingeführt. Dadurch wurden Arbeitgeber finanziell stärker belastet. Zum Ausgleich schaffte die Politik ein Jahr zuvor den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag ab – gegen den Widerstand der Kirche. Viele evangelische Christen in Deutschland begehen den Feiertag trotzdem, denn es gibt Ausnahmeregelungen.

Für den Erhalt des Buß- und Bettags hatte sich in Sachsen die damalige Landesregierung eingesetzt. Als Ausgleich zahlen die sächsischen Arbeitnehmer aber 0,5 Prozent ihres Brutto-Gehaltes mehr in die Pflegeversicherung ein. Manche gehen davon aus, dass dieser Beitrag die Kosten für den zusätzlichen Feiertag sogar übersteigen. Arbeitnehmer könnten für den Feiertag also sogar draufzahlen. Kritisiert wird diese Regelung auch, weil mehr als drei Viertel der Bevölkerung Sachsens überhaupt keiner Konfession angehören. Eine Wahlmöglichkeit haben konfessionslose sächsische Arbeitnehmer nicht.

Für Bayern und Berlin gibt es Sonderregelungen: Obwohl der Buß- und Bettag dort offiziell abgeschafft wurde, ermöglichen die Feiertagsgesetze der meisten anderen Bundesländer Arbeitnehmern unter Berufung auf religiöse Pflichten, an diesem Tag freizunehmen. Urlaub müssen diese Arbeitnehmer hierfür nicht einreichen. Stattdessen verzichten sie am Buß- und Bettag auf ihren Lohn. In Bayern und in Berlin gibt es zudem für Schüler Ausnahmeregelungen: An bayerischen Schulen haben alle Schüler am Buß- und Bettag schulfrei. Die meisten Kindergärten haben dann auch geschlossen. In Berlin können Schüler evangelischer Konfession selbst entscheiden, ob sie an diesem kirchlichen Feiertag die Schule besuchen oder nicht.

Bedeutung in der heutigen Zeit

Heute gilt der Buß- und Bettag, neben Aschermittwoch und Karfreitag, als einer der drei großen Bußtage innerhalb des Kirchenjahres. An diesem Tag denken Christen gemeinsam über ihre Sünden nach – der Einzelne beschäftigt sich also nicht nur mit seinen eigenen Fehlern, sondern auch mit solchen im gesellschaftlichen Leben. Die Kirche will mit diesem Tag die ganze Gesellschaft zur Besinnung rufen.

Die Bedeutung des Buß- und Bettages hat sich mit der Zeit etwas verschoben. Im Fokus liegen heute die Besinnung der Gläubigen auf sich selbst und ihre Verantwortung gegenüber Gott. Die Buße besteht nicht darin, begangene Sünden wiedergutzumachen. Es geht vielmehr darum, seine eigenen Fehler zu erkennen und Reue zu zeigen. Zudem gehört es heute auch zum Buß- und Bettag, auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Dabei steht Gottes Gnade im Mittelpunkt. Die evangelische Kirche nutzt diesen Anlass, um Ungerechtigkeiten in der Welt aufzuzeigen.