Viel mehr Glanz und Gloria auf Königstein

Wie frisch gegossen: Kanonen und Mörser, Bombenwagen und Kugelpyramiden, Handfeuerwaffen und Zubehör: Das Alte Zeughaus der Festung Königstein erfindet sich gänzlich neu. Ab 1. August darf man über neue, alte, explosive Zeitzeugen staunen.

Von Tom Vörös
Dr. Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein gGmbH, präsentiert ein Exponat der Ausstellung.
Dr. Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein gGmbH, präsentiert ein Exponat der Ausstellung. © Marko Förster / PR

Schon als Kind war es toll, auf der Kanone hoch über den Felsen zu sitzen und sich mit einem flammenden Ausdruck in den Augen vorzustellen, ähnlich wie Baron von Münchhausen auf einer Kugel durch die Lüfte zu sausen. Was die unschuldigen Kinderohren damals noch nicht verstanden haben: Diese schweren, schwarzen Zeitzeugen waren mal der letzte Schrei in Sachen Verteidigung, für ein sorgloses Leben auf der Festung Königstein. Dort hat man in den letzten Monaten alles dafür getan, damit die Kanonen in all ihrer potenziellen Explosivität nicht aus der Mode kommen. Der schwer wiegende Schatz wurde erneuert und neu angeordnet, sodass die Festung ab August um einen ganzen Schatz militärhistorischer Art reicher ist.

Die neue Ausstellung im Alten Zeughaus gewährt Einblicke in eine ferne Zeit, als die Bergfestung in der Sächsischen Schweiz noch der wohl sicherste Ort in ganz Sachsen war. „Die Geschütze und andere Militaria in dieser Ausstellung sind ein wahrer Schatz", sagt Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein. „Wir zeigen und erklären Objekte, die zum Teil mehr als 400 Jahre alt sind und genau so lange zum Inventar des Hauses gehören. So etwas sieht man nicht alle Tage.“

Die Besucher erhaschen damit einen lebendigen Eindruck von der legendären Wehrhaftigkeit der Festung. Altes Zeughaus - das klingt eigentlich irreführend. Denn es wurde 1594 als letztes Gebäude der ersten großen Bauperiode errichtet - ein ansehnlicher Renaissancebau mit Rustikaportalen außen und drei wuchtigen toskanischen Säulen im Inneren, die das Gewölbe des Saales im Erdgeschoss tragen.

Für mehr Glanz und Gloria: Kurator Ingo Busse begleitet die letzten Vorbereitungen für die neue Ausstellung.
Für mehr Glanz und Gloria: Kurator Ingo Busse begleitet die letzten Vorbereitungen für die neue Ausstellung. © Marko Förster / PR

Reichweite bis nach Dresden

Doch so eine Neueröffnung wäre nicht derart erwähnenswert, wenn es nicht einen kleinen Coup, eine kleine Initialzündung gegeben hätte: Das Militärhistorische Museum in Dresden unterstützt die Neuausrichtung der Schau „Das Alte Zeughaus und die Artillerie der Festung Königstein“, so heißt die Dauerausstellung.

Seit Februar wurde die Präsentation der Exponate gemeinsam mit dem Architekturbüro Hans Dieter Schaal aus Baden-Württemberg und des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden (MHMD) grundlegend neu gestaltet. Riesige Kanonen, alte Mörser und ein Miniaturmodell, diverse Kanonen und Mörser unterschiedlicher Kaliber und Epochen, Handfeuerwaffen sowie Geschützmodelle - einiges davon stellt das Dresdner Museum als Leihgabe dauerhaft zur Verfügung, wie auch schon zur im Juni eröffneten Ausstellung „Faszination Festung – Zur Geschichte des sicheren Ortes“ im Neuen Zeughaus.

Als besondere Perlen unter den Exponate gelten zwei 24-pfündige Halbe Kartaunen von 1686 und 1717. Die Geschütze mit jeweils mehr als drei Metern Rohrlänge und über 1.000 Metern Schussweite wurden unter Kurfürst Johann Georg II. gegossen. Acht Männer wurden damals benötigt, um sie zu bedienen. Weitere Raritäten sind zwei 18-pfündige Fußmörser aus dem Jahr 1598, die vermutlich der erste Festungskommandant des Königsteins, Hans von Eberstein, in Auftrag gegeben hatte, ebenso Doppelschlossgewehre und ein originalgetreu nachgebauter Bombenwagen für 48-pfündige Mörserkugeln.

Was genau im Alten Zeughaus über die Jahrhunderte offen oder auch heimlich vor sich ging, wie es um die Festungsartillerie vom späten 16. bis zum beginnenden 19. Jahrhundert stand und wie sich die Verteidigungstechnik immer weiterentwickelte - das alles soll die Schau vermitteln, die auch auf die allgemeine Geschichte und Technik der historischen Artillerie und die Prinzipien der Nah- und Fernverteidigung einer Bergfestung eingeht.

Waffensaal kommt später

Ein Miniaturmodell des Alten Zeughauses ist derzeit noch in Arbeit. Die Fertigstellung verzögert sich aufgrund der Corona-Pandemie. Gezeigt werden soll das Gebäude mit seinem Inventarbestand von 1647 – ein Jahr vor dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Aktuell hergestellt wird es durch den britischen Modellbauer Paul Wells in feinster Handarbeit, der bereits das detailreiche Modell des Kutschenzuges für die Dauerausstellung „In lapide regis – 800 Jahre Leben auf dem Königstein“ geschaffen hatte.

Ergänzt und begleitet wird die Ausstellung mit museumspädagogischen Angeboten für Kinder und Erwachsene. Die interaktiven Stationen können jedoch wegen der aktuellen Hygiene-Regeln erst zu einem späteren Zeitpunkt starten.

„Das Alte Zeughaus und die Artillerie der Festung Königstein“ ist täglich bis zum 31. Oktober von 10 bis 18 Uhr geöffnet, von November bis März von 9 bis 17 Uhr.
Der Eintritt ist im regulären Festungseintritt inklusive.

Alle Infos unter: www.festung-koenigstein.de