Theatermacher zwischen den Stühlen

Dresdens Privattheater machen mit einer gemeinsamen Erklärung auf ihre schwierige Lage aufmerksam.

Privattheater-Leiter trafen sich zur Krisenbesprechung – heraus kam eine Erklärung zu einem schwer zu lösenden Dilemma.
Privattheater-Leiter trafen sich zur Krisenbesprechung – heraus kam eine Erklärung zu einem schwer zu lösenden Dilemma. © PM Privattheater

Dresdens Privattheater stecken in der Zwickmühle. Sie dürfen wieder vor Publikum spielen, sie wollen gern wieder etwas auf die Bühne bringen – aber sie können nicht. Oder jedenfalls nur mit großem wirtschaftlichem Risiko. „Was nach einer guten Nachricht klingt – wir alle würden schließlich nichts lieber tun, als für unser Publikum den Vorhang wieder zu öffnen – erweist sich leider als ein derzeit unmögliches Vorhaben“, heißt es in einer Pressemitteilung, die 13 Theaterleiter nach einem Treffen Ende vergangener Woche verschickten.
Und weiter: „Privattheater finanzieren sich ausschließlich durch den Verkauf von Eintrittskarten – davon leben u.a. unsere Schauspieler*innen, Musiker*innen, Techniker*innen, Autor*innen, die Verwaltung, unsere Teams am Einlass, in der Gastronomie und an der Garderobe. Bei dem geforderten Abstandsgebot (...) können wir aber teilweise nur noch 1/8 bis 1/4 unserer Zuschauer*innen begrüßen, was unsere Theater nicht einmal in die Nähe der Wirtschaftlichkeit bringt. Einige wenige von uns werden ihre Häuser vielleicht trotzdem öffnen, für die meisten von uns bedeutet dies aber: Wir würden gerne spielen, aber wir können nicht.“
Jedes Theater muss seinen eigenen Weg aus diesem Dilemma finden. Und doch hoffen alle gemeinsam auf ein Happy End: „Wir sind im Gespräch mit der Landeshauptstadt Dresden, um nach Lösungen zu suchen. Wir hoffen sehr, dass es für die Dresdner Privattheater bald wieder eine Perspektive gibt“, heißt es abschließend in dem Text.
Wie unterschiedlich die Voraussetzungen und der Umgang mit den neuen Corona-Herausforderungen sind, zeigte schon die erste Woche nach Lockerung des absoluten Veranstaltungsverbots: Im Friedrichstatt-Palast spielt Thomas Schuch bezeichnenderweise seit Dienstag das Zwei-Personen-Stück „Plan B“. 44 Besucher passen jetzt noch in den Zuschauerraum.
Theaterkahn-Chef Holger Böhme hat es auf seiner schwimmenden Bühne nicht leichter – maximal 45 zahlende Gäste kann er empfangen. Er will mit Soloprogrammen beginnen und Erfahrungen sammeln – wenn sein Hygiene-Konzept abgesegnet ist. Ob er die in der Corona-Pause entstandene „Quarantäne-Revue“ unter diesen Umständen zur Uraufführung bringt, entscheidet er später.

Die 13 Unterzeichner des Textes:

AugustTheater Dresden
Boulevardtheater Dresden
Comödie Dresden
Close Up Night
Dresdner Comedy & Theater Club
Herkuleskeule Dresden
Hoftheater Dresden
HumorZone Dresden
Kammerspiele Dresden
Kleines Welttheater (Mahlo & Ehrlich)
Radeberger Biertheater
Sommertheater Dresden
Tom Pauls Theater Pirna

Interviewserie: Nachgefragt zum Neustart

Von Mitte März bis Anfang Mai hat Augusto mit 35 Veranstaltern und Künstlern aus Dresden und der Region über den absoluten Veranstaltungsstopp gesprochen. Nach und nach fragen wir unsere Gesprächspartner jetzt erneut. Dabei sind auch Holger Böhme und Thomas Schuch.
Hier finden Sie die neuen Interviews