„Ich liebe es, wenn ein ganzer Theatersaal gemeinsam lacht und weint“

Die Schauspielerin Julia Klawonn ist Teil der „Kulturgesichter Dresden“. Die Initiative gibt Kulturschaffenden ein Gesicht und sammelt Spenden.

Von Tom Vörös
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Julia Klawonn ist eines von rund 400 „Kulturgesichtern“, die auf Plakaten zu sehen sind. © Daniel Scholz / PR

Schauspielerin Julia Klawonn hat mit 19 Theaterjahren, 20 Theatern und 70 Produktionen, darunter einige TV-Produktionen, zahlreiche Facetten ihres Berufes kennengelernt. Im Interview erzählt sie von Sorgen und Hoffnungen, wie sie zurzeit im Home Office arbeitet und worauf sie sich aktuell am meisten freut.

Die Schauspielerin hofft, bald wieder auf der Bühne stehen zu können.
Die Schauspielerin hofft, bald wieder auf der Bühne stehen zu können. © Chris Gonz / PR

Frau Klawonn, bei so viel Berufserfahrung, wie gelassen blicken Sie auf die aktuelle Situation? Und wie stark sind Sie von Corona betroffen?

Ich habe am 13. März 2020 das letzte Mal auf einer Bühne gestanden. Alle seitdem geplanten Vorstellungen sind coronabedingt ausgefallen. Am Anfang war ich noch gelassen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass dieser Zustand so lange dauert, aber mittlerweile mache ich mir Sorgen, nicht nur wie es mit meiner beruflichen Laufbahn weitergeht, sondern auch, wie es generell mit der Kultur weitergeht. Aber ich versuche trotzdem zuversichtlich zu bleiben.

Außerdem arbeiten Sie als Sprecherin für Hörfunk, Werbung und Synchron. Wie läuft es da aktuell?

Auch hier gelten natürlich verschärfte Hygiene- und Abstandsregeln. Deshalb haben sich die meisten Schauspieler*Innen, die als Sprecher*Innen arbeiten, in den letzten Monaten ein Homestudio aufgebaut, um von zu Hause aus arbeiten zu können. Auch ich bin gerade dabei, mir eins einzurichten und mich mit der komplizierten Technik anzufreunden.

Sie waren als Schauspielerin auch mal fest angestellt. Aus Ihrer Sicht, wie stark unterscheidet sich die Situation von Freischaffenden und fest engagierten SchauspielerInnen?

Der größte Unterschied momentan ist, die berufliche und finanzielle Absicherung. Festangestellte Schauspieler*Innen bekommen an ihren Theatern derzeit Kurzarbeitergeld und haben auch die Perspektive, dass sie wieder arbeiten können, sobald das Theater seinen Spielbetrieb wieder aufnimmt.
Für freischaffende Schauspieler*Innen ist die Situation da schwieriger. Nicht jedes Theater zahlt Gästen Kurzarbeitergeld, und viele fallen auch bei der Neustarthilfe und der Grundsicherung noch immer durchs Raster. Zudem sind die meisten Theater, aufgrund der unsicheren Zukunft, momentan auch sehr zurückhaltend mit dem Engagement von Gästen.

Wie haben Sie die Zeit während des Lockdowns bisher verbracht? Gab es vielleicht etwas, was sonst beruflich oder privat vielleicht so nicht passiert wäre?

Ich habe versucht, das Beste aus der Situation zu machen, habe, wie viele andere auch, sehr viel gelesen, telefoniert und ausgemistet. Um im Training zu bleiben und mich weiterzubilden, habe ich zudem an vielen Online Coachings für Schauspieler teilgenommen. Ausserdem engagiere ich mich momentan aktiv in der Bühnengenossenschaft GDBA und habe dadurch viele neue tolle Menschen und Kolleg*Innen kennengelernt..

Sie sind in Weimar geboren, haben in Berlin studiert und arbeiten deutschlandweit. Warum und wie ist Dresden zu Ihrer Wahlheimat geworden?

Ich war vorher viele Jahre fest am Theater Freiberg engagiert und kannte dadurch Dresden schon ein wenig. Nachdem ich mich entschlossen hatte, freischaffend zu arbeiten, wollte ich in eine größere Stadt ziehen. Da mein Mann weiterhin am Theater Freiberg beschäftigt ist, haben wir uns entschlossen nach Dresden zu ziehen. Er pendelt also nach Freiberg und ich kann an Theatern in Dresden spielen, aber auch deutschlandweit arbeiten. Dresden ist eine wunderschöne Stadt und ich genieße (unter normalen Umständen) das große kulturelle Angebot und die vielen schönen Cafés sehr.

Wann, wo und wie darf das Publikum Sie (voraussichtlich) wieder auf der Bühne erleben?

Leider steht das momentan noch in den Sternen, da es für die Theater, wie schon erwähnt, gerade sehr schwierig ist zu planen. Ich hoffe, ich kann im Sommer mehr dazu sagen. Vieles wird dann aber sicher sehr spontan geschehen. Derzeit kann man mich ab und zu hören. Ich mache mit dem „kollektivLesen 2.0“ kostenfrei Online Lesungen auf Clubhaus.

Wie optimistisch sehen Sie ins Jahr 2021? Was macht Ihnen Hoffnung? Worauf freuen Sie sich zurzeit?

Ich freue mich auf den Frühling und den Sonnenschein und hoffe wirklich sehr, dass im Sommer das Schlimmste weitgehend überstanden ist.

Was macht für Sie letztendlich die Leidenschaft des Schauspielberufes aus?

Ich liebe das Eintauchen in eine Geschichte, das Verwandeln und auch den Kontakt zum Publikum. Wenn ein ganzer Theatersaal ein Erlebnis teilt, dieselben Emotionen gemeinsam durchlebt, gemeinsam lacht und weint, das ist eine ganz besondere Energie. Ich hoffe sehr, dass wir das bald wieder uneingeschränkt erleben dürfen.

www.juliaklawonn.de

Hier geht's zur Spendenaktion:

www.startnext.com/kulturgesichter-dresden

Kulturgesichter Dresden

www.kulturgesichterdresden.de

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