Die Bilder vom Dresdner Geister-Renntag

Die Pferde sind wieder los, in Seidnitz gab es am Freitag neun Wettbewerbe – allerdings vor leeren Tribünen. Was anders war, erzählen die Fotos von der Bahn.

Von Maik Schwert
Martin Seidl (rechts) ist 2020 erster Dresdner Sieger.
Martin Seidl (rechts) ist 2020 erster Dresdner Sieger. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Bis zu 10.000 Besucher kommen sonst auf die Galopp-Rennbahn im Dresdner Stadtteil Seidnitz. Diesmal aber macht keiner ein Picknick auf der Wiese, die Totoschalter sind dicht. Ein Bratwurststand ist geöffnet für die nur 200 Personen, die aufs Geläuf dürfen – die 23 Jockeys inklusive. Damit sie beim Umziehen den Abstand halten, nutzen die Männer die Kabine der Frauen mit, sie ins Besitzerstübchen ausweichen. Das ist frei, weil auch die, denen die Pferde gehören, nicht dabei sein dürfen. Impressionen eines besonderen Renntages.

Martin Seidl wird nach seinem Sieg im ersten Rennen auf seinem Pferd Kobra interviewt.
Martin Seidl wird nach seinem Sieg im ersten Rennen auf seinem Pferd Kobra interviewt. ©  dpa/Robert Michael

Siegerinterview auf Abstand: Jockey Martin Seidl gewinnt in Dresden das erste Rennen ohne Besucher auf der einheimischen Stute Kobra und beantwortet die Fragen von Thorsten Castle. „Der Rennschal spielt keine Rolle“, sagt der Reiter. Er habe den ersten Renntag am 7. Mai in Hannover gebraucht, um sich daran zu gewöhnen. „Wir sind nach 100 Metern bei 60 Kilometern pro Stunde. Da hilft der Wind, damit die Rennbrille nicht beschlägt“, sagt der Bayer. Er sei gespannt auf Rennen bei Regen und im Sommer. „30 Grad Celsius hatten wir noch nicht.“ Am Freitag sind es 24. Der 26-Jährige und seine Kollegen kennen das Tragen des Rennschals durch Sandbahnrennen im Winter. „Da hilft er gegen herumfliegende Körner.“ Ein Vorteil bei Rennen ohne Fans sei die Ruhe am Start. „Die Pferde sind entspannter.“ Ein Nachteil sei die Stille im Ziel nach einem Erfolg. „Ich kann die Emotionen mit niemandem teilen.“

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Allein 1.000 Besucher passen auf die Haupttribüne der Dresdner Galopprennbahn. Am Freitag bleibt sie fast menschenleer. Die Prüfungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Allein 1.000 Besucher passen auf die Haupttribüne der Dresdner Galopprennbahn. Am Freitag bleibt sie fast menschenleer. Die Prüfungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. © dpa/Robert Michael
Umfangreiche Einlasskontrolle: Schlangen entstehen nur, weil bei jedem zugelassenen Besucher erst einmal die Temperatur gemessen wird – wie bei Reiterin Maike Riehl. Jeder hält sich an die Abstands- und Hygieneregeln. Das 43 Hektar große Areal bietet ja ausreichend Platz, sich aus dem Weg zu gehen.
Umfangreiche Einlasskontrolle: Schlangen entstehen nur, weil bei jedem zugelassenen Besucher erst einmal die Temperatur gemessen wird – wie bei Reiterin Maike Riehl. Jeder hält sich an die Abstands- und Hygieneregeln. Das 43 Hektar große Areal bietet ja ausreichend Platz, sich aus dem Weg zu gehen. © dpa/Robert Michael
Die Totoschalter bleiben dicht und die Bänke unbenutzt an diesem Sonder-Renntag, mit dem Dresden für Halle an der Saale einspringt. Sachsen-Anhalt verbietet Sportveranstaltungen bis zum 27. Mai.
Die Totoschalter bleiben dicht und die Bänke unbenutzt an diesem Sonder-Renntag, mit dem Dresden für Halle an der Saale einspringt. Sachsen-Anhalt verbietet Sportveranstaltungen bis zum 27. Mai. ©  dpa/Robert Michael
Zocken nebenan: Die Wettannahme an der Rennbahn wurde abgesperrt, damit sie öffnen kann. Fast 300.000 Euro wurden umgesetzt. Rekord waren beim Saisonfinale 2019 gut 200.000.
Zocken nebenan: Die Wettannahme an der Rennbahn wurde abgesperrt, damit sie öffnen kann. Fast 300.000 Euro wurden umgesetzt. Rekord waren beim Saisonfinale 2019 gut 200.000. © Matthias Rietschel
Wiegen mit Mund-Nasen-Schutz: Klaus Kunath kontrolliert das Gewicht von Jockey Lukas Delozier. Das wird für jedes Rennen extra festgelegt. Der Unterschied wird unter anderem durch Bleigewichte ausgeglichen.
Wiegen mit Mund-Nasen-Schutz: Klaus Kunath kontrolliert das Gewicht von Jockey Lukas Delozier. Das wird für jedes Rennen extra festgelegt. Der Unterschied wird unter anderem durch Bleigewichte ausgeglichen. © dpa/Robert Michael
Die Jockeys halten mehr oder weniger Abstand auf dem Weg zum Führring.
Die Jockeys halten mehr oder weniger Abstand auf dem Weg zum Führring. © dpa/Robert Michael
Volle Felder vor leerer Tribüne: 81 Pferde laufen in neun Prüfungen. Dieses Rennen heißt „Mach dich vom Acker“. Gemeint ist das Coronavirus. Die Veranstalter nehmen die Pandemie mit Humor und trotzdem ernst. Nur in den Wettbewerben kommen sich Reiter und Pferde dann doch näher als anderthalb Meter.
Volle Felder vor leerer Tribüne: 81 Pferde laufen in neun Prüfungen. Dieses Rennen heißt „Mach dich vom Acker“. Gemeint ist das Coronavirus. Die Veranstalter nehmen die Pandemie mit Humor und trotzdem ernst. Nur in den Wettbewerben kommen sich Reiter und Pferde dann doch näher als anderthalb Meter. © dpa/Robert Michael