Die Dresdner Kultur zeigt Gesicht

Martin Vejmelka ist einer der Initiatoren der Dresdner Kampagne "Kulturgesichter".

Von Tom Vörös
Martin Vejmelka ist einer von rund 400 Dresdner Kulturgesichtern.
Martin Vejmelka ist einer von rund 400 Dresdner Kulturgesichtern. © Daniel Scholz / PR

Martin Vejmelka ist Geschäftsführer des Dresdner & Leipziger Büros der Konzertagentur Landstreicher. Seit Januar koordiniert er gemeinsam mit einem Team weiterer Kulturschaffender ein großangelegtes Foto-Shooting unter dem Namen „Kulturgesichter“, mit Gesichtern aus der Dresdner Kulturszene. Demnächst sollen die Plakate in der Stadt zu sehen sein. Zudem ist eine Spendenaktion geplant.

Herr Vejmelka, was steckt hinter den „Kulturgesichtern“?
„Kulturgesichter“ ist eine bundesweite Aktion, die in den jeweiligen Städten aus der Szene heraus entstanden ist, zuerst in Hamburg und Stuttgart. In Sachsen dann zuerst in Leipzig und Chemnitz. Die Kollegen dort sind langjährige Partner von uns, daher kam die Anfrage, ob man das auch in Dresden angehen kann.

Wie lief es dann weiter?
Ich habe mich dann mit Uwe Stuhrberg vom SAX und Stephan „Erich“ Tautz von der Groovestation und zugleich Vorstand vom Klubnetz Dresden zusammentelefoniert und gemeinsam geplant. Für so eine Kampagne ist es sinnvoll, dass man eine neutrale Instanz wie das Klubnetz Dresden mit im Boot hat. Im Januar sollte die Aktion starten. Aber über Weihnachten hatte Jens Strohschnieder von der Dresdner Band Yellow Umbrella bereits eine Facebook-Gruppe gegründet.

Wer konnte sich bei Facebook für einen Fototermin melden?
Im Prinzip jeder Kulturschaffende aus Dresden. Die Nachfrage war unglaublich groß. Das Ganze hat dann eine Dynamik angenommen, die nur schwer zu kontrollieren war. Alle arbeiten ja ehrenamtlich an dem Projekt. Inzwischen wurden rund 400 Menschen im Alten Schlachthof Dresden fotografiert. Das ist deutlich mehr als in allen anderen Städten. Dafür haben wir eine große Breite an Menschen und Tätigkeiten abgedeckt.

Gibt es schon konkrete Ziele der „Kulturgesichter“?
Wir haben im Vorfeld deutlich gemacht, dass es bei der Aktion nicht darum geht, die Corona-Maßnahmen zu kritisieren, sondern darum, die betroffenen Menschen in den Vordergrund zu rücken, ihnen ein Gesicht zu geben – als Gegenmodell zu den eher abstrakten Zahlen zur Situation in der Kulturbranche. Es geht nicht nur um finanzielle Einbußen der Kulturschaffenden, sondern auch um die psychische und soziale Komponente, wenn Menschen ein Jahr lang nicht arbeiten können und zu Hause bleiben müssen.

Was soll nach der Plakataktion passieren?
Wir arbeiten gerade an eine Folgeaktion, die mittelfristig über die reine Sichtbarkeit der Menschen hinausgehen soll. Die Formulierung von Forderungen gestaltet sich allerdings bei einer so heterogenen Gruppe aber recht schwierig. Wir schauen auch, ob wir die Aktion mit den Chemnitzer und Leipziger „Kulturgesichtern vertiefen können, z.B. mit Radiospots. Inzwischen haben sich die „Kulturgesichter“ Erzgebirge und Nordsachsen gegründet. Das Ganze wächst also gemeinsam weiter.

Kulturgesichter Dresden

www.kulturgesichterdresden.de