Freizeitstätten spezial: Windmühlen im Raum Dresden

In der Nähe der Landeshauptstadt oder in ihren Ortsteilen gibt es noch Windmühlen mit Flügeln. Wir stellen sie näher vor. 

Von Frank Oehl
Freizeitstätten spezial: Windmühlen im Raum Dresden
Der Turmholländer in Dresden-Gohlis ist ein Hingucker auch von der Elbe aus. © pinterest.de

In und um Dresden gibt es noch einige Windmühlen mit Flügeln, die als Technikdenkmäler oder interessante Landmarken fungieren. Auffällig dabei ist, dass hier vor allem gemauerte Turmholländer vorherrschen, während es in der Oberlausitz eher Bockwindmühlen aus Holz sind. Sechs Windmühlen haben derzeit noch Flügel, wobei der Turmholländer in Pahrenz seine erst vor sieben Jahren abgenommen bekam. Da dort das Innere der Windmühle als technisches Denkmal akribisch gehegt und pflegt wird, sollte man die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Pahrenzer Mühle einst wieder komplett in voller Schönheit in der Landschaft stehen kann. Deshalb haben wir sie mit in unsere Übersicht aufgenommen.  

Windmühle Dresden-Gohlis

Die Gohliser Mühle in Elbnähe ist ein privat geführtes Ausflugs-Highlight.
Die Gohliser Mühle in Elbnähe ist ein privat geführtes Ausflugs-Highlight. © pinterest.de

Der Turmholländer wurde zwischen 1828 und 1832 durch den Gutsbesitzer Hefter errichtet. Bis 1914 wurde sie als Getreidemühle genutzt. Später diente sie unter anderem als Ferienlager, Jugendherberge, Museum und Gaststätte. Die Mühle in Elbnähe wurde in den Jahren 1925, 1953 und 1966 rekonstruiert, um sie der Nachwelt zu erhalten. Allerdings verfiel sie anschließend immer wieder, weil keine nachhaltige Nutzung erreicht wurde. Im Jahr 2003 kaufte sie das Ehepaar Hans und Birgit Schönhansgruber nach dem Elbehochwasser von 2002 in äußerst schlechtem Zustand. Im Jahr 2006 begann die erneute Restaurierung der Windmühle, die 2007 abgeschlossen wurde. Heute wird die Gohliser Windmühle als Museum und als Gaststätte „Mühlenstube“ mit Biergarten genutzt. Wegen der Pandemie sind die Führungen in der voll funktionsfähigen Getreidemühle derzeit ausgesetzt, ein Gaststättenbetrieb mit Speisen zum Mitnehmen wird an den Wochenenden allerdings aufrechterhalten. Ob Führungen möglich sind lässt sich unter Tel. 0351/4546467 erfragen. 

Navi-Adresse:
Windmühlenweg 17
01156 Dresden-Gohlis

Leutewitzer Windmühle

Seit fünf Jahren betreibt Luigi Brescia im Leutewitzer Turmholländer sein italienisches Restaurant.
Seit fünf Jahren betreibt Luigi Brescia im Leutewitzer Turmholländer sein italienisches Restaurant. © saechsische.de

Auf einer Gesteinshalde bei Leutewitz wurde 1839 die Windmühle als Turmholländer durch Johann Gottlieb Pietzsch errichtet. Die Mühle war mit zwei Mahlgängen zur Herstellung von Mehl versehen. Friedrich Wilhelm Felgentreff erwarb 1844 die Mühle samt Ackerflächen und Weinberg und errichtete neben dem Mühlengebäude eine Gastwirtschaft. Diese wurde ein beliebtes Ausflugsziel. Später wurden unter wechselnden Mühlenbesitzern auch ein Biergarten und ein Veranstaltungssaal eingerichtet. Die Verarbeitung von Getreide endete 1914, die Mühle blieb als technisches Denkmal erhalten. Eine umfassende Umgestaltung des Areals zu einem Freizeitzentrum fand 1983/84 als Jugendobjekt statt. Die im Inneren der Mühle eingerichtete historische Gaststätte hat nach längerer Schließzeit seit Herbst 2003 wieder geöffnet. Eine umfassende Instandsetzung einschließlich der Erneuerung der Mühlenflügel gab es zuletzt 2008. Inzwischen ergänzen ein Minigolfplatz und Beachvolleyballfelder das Areal. Seit fünf Jahren betreibt Luigi Brescia sein italienisches Restaurant in und an der Mühle.

Navi-Adresse:
Steinbacher Straße 56
01157 Dresden

Bockwindmühle Ebersbach

Um den Erhalt der musealen Bockwindmühle kümmert sich der rührige Heimat- und Mühlenverein Ebersbach.
Um den Erhalt der musealen Bockwindmühle kümmert sich der rührige Heimat- und Mühlenverein Ebersbach. © radler59

Der Müllergehilfe Friedrich Willhelm Bielitz erwarb am 20. März 1865 ein Flurstück zur Errichtung einer Bockwindmühle für 150 Taler. Schon bis Ende des Jahres stand die Mühle, drei Jahre später auch ein Wohnhaus. 1901 verkaufte Bielitz seine Mühle an Otto Herrmann für 12.000 Mark. Herrmann baute einen Petroleummotor ein, um vom Wind unabhängig mahlen zu können. Der Betrieb der Bockwindmühle endete 1940. Um sie vor dem Verfall zu bewahren, erwarb die Gemeinde Ebersbach die Mühle für 1.000 Mark. Erklärtes Ziel war es, sie als technisches Denkmal zu erhalten. Es begannen erste Restaurierungsarbeiten, später fanden Führungen statt. Mit Hilfe staatlicher Zuwendungen wurden 1992/93 die Windwand und die Hauptwelle saniert. 1997 bildete sich eine Interessengruppe „Bockwindmühle“, aus der acht Jahre später der Heimat- und Mühlenverein Ebersbach entstand. Das Dach wurde mit Spendengeldern saniert. Eine wesentliche Förderquelle tat sich im Westlausitzer Heidebogen e.V. auf, in dem die Gemeinde Ebersbach Mitglied ist. So konnte die Sanierung der Mühle in das Gebietskonzept von Leader Plus aufgenommen werden. 2004 startete die umfangreiche Rekonstruktion. Am 16. Mai 2005 wurde die Mühle zum „Sächsischen Mühlentag“ wieder eröffnet. Führungen sind beim Verein (Tel. 0171/9271702) buchbar. 

Navi-Adresse:
Naundorfer Straße 4
01561 Ebersbach

Windmühle Pahrenz

Die Pahrenzer Mühle  ist ein Hingucker an der B6. Seit 2014 hat sie keine Flügel mehr, aber das muss nicht so bleiben.
Die Pahrenzer Mühle ist ein Hingucker an der B6. Seit 2014 hat sie keine Flügel mehr, aber das muss nicht so bleiben. © saechsische.de

Der Turmholländer steht weithin sichtbar an der B 6 zwischen Meißen und Oschatz. Die Mühle ist ein technisches Denkmal. Sie steht auf dem 141,5 m hohen Windmühlenberg bei Pahrenz und wurde 1889 erbaut. Bereits seit 1850 gab es am gleichen Standort eine Bockwindmühle, die allerdings 14 Jahre später einem Feuer zum Opfer fiel. Zunächst wurde ein Jahr später eine Holländerwindmühle aus Holz errichtet, die dann durch eine in massiver Bauweise ersetzt wurde. Die Mühle wurde ständig auf den jeweilig neuesten Stand der Technik gebracht. Seit vier Generationen ist die Windmühle im Besitz der Familie Jenichen. In den letzten Kriegstagen wurde sie stark beschädigt, aber bereits im August 1945 konnte der Mahlbetrieb wieder aufgenommen werden. Ende 1947 wurden die Jalousieflügel durch moderne Ventikantenflügel ersetzt, und in das Nebengebäude kam eine Schrotmühle. 1990 endete der gewerbliche Mühlenbetrieb, Wind- und Schrotmühle mit ihrer Technik blieben aber erhalten. Die drehbare Mühlenkappe mit Windrose wurden 2013/2014 umfangreich saniert, allerdings mussten dazu aus Sicherheitsgründen die Flügel abgenommen werden. Bisher scheitert ihre Sanierung und Wiederanbringung an den hohen Kosten. Neben der Mühle befindet sich ein Gartencafé, indem die Betreiber zum Verweilen einladen. Technikinteressierte werden von Friedrich Jenichen (Tel. 035266/82311) durch die Mühle geführt.

Navi-Adresse:
Windmühlenstraße 44
01594 Pahrenz
 

Windmühle Possendorf

Der Possendorfer Holländer wurde bereits 1691 als Turmwindmühle errichtet. Er ist heute ein technisches Denkmal.
Der Possendorfer Holländer wurde bereits 1691 als Turmwindmühle errichtet. Er ist heute ein technisches Denkmal. © saechsische.de

Schon im Jahr 1691 errichtete Johann Lemmel, kurfürstlicher Kriegszahlmeister, auf seinem Possendorfer Vorwerk eine Turmwindmühle. Genutzt wurde dafür der rot-weiße Sandstein, der im Gebiet reichlich vorkommt. Diese Windmühle, eine der ältesten Turmholländer hierzulande überhaupt, war 200 Jahre lang die einzige im Betrieb befindliche Windmühle im Osterzgebirge. Nachdem ein Orkan im Jahr 1920 die Flügel der Windmühle zerstörte, wurde der Antrieb auf Motorkraft umgestellt, was den Betrieb wetterunabhängig machte. Der Besitzer, Diplomingenieur und Müllermeister Herbert Scholz, modernisierte durch regelmäßige technische Neuerungen die Windmühle wenige Jahre nach Kriegsende. Nun wurde das Mahlgut durch ein Gebläse transportiert. Beachtlich, dass eine einzige Arbeitskraft immerhin fünf Tonnen Tagesleistung schaffte. Die Mühle war noch bis 2003 im Nebenerwerb im Betrieb. Ein Gutachten von 1993 hatte ihr damals nur noch eine Lebensdauer von 25 Jahren attestiert. So ist es nicht gekommen. 1998 kaufte sie Familie Thümmel, die sich seither um den Erhalt kümmert. Heute ist sie ein technisches Denkmal, das nach Voranmeldung (Tel. 0173/5774778) auch besichtigt werden kann. Derzeit unter Corona-Bedingungen freilich nur sehr eingeschränkt.

Navi-Adresse:
Windmühlenhöhe 2
01728 Bannewitz/OT Possendorf

Windmühle Reichstädt

Der kleine  Turmholländer in Reichstädt ist die mit 544 Metern höchstgelegene Windmühle Sachsens.
Der kleine Turmholländer in Reichstädt ist die mit 544 Metern höchstgelegene Windmühle Sachsens. © saechsische.de

In Reichstädt gibt es die kleinste und gleichzeitig höchstgelegene Windmühle Sachsens. Sie steht oberhalb von Dippoldeswalde in Richtung Osterzgebirge genau 544 Meter über dem Meeresspiegel. Es ist ein konischer Turmholländer. Der aus Bruchsteinen gemauerte Mühlenturm hat nur einen Durchmesser von vier Metern, bis zur Spitze des Spindeldaches misst die Mühle 7,50 Meter. Sie wurde 1850 gebaut und nur bis 1883 als Bauernwindmühle für den Eigenbedarf betrieben. Später verfiel sie, wurde aber 1959/60 restauriert und seitdem mehrfach erneuert. 1983 wurde sie offiziell als Schauanlage wieder der Öffentlichkeit freigegeben. Sie ist im Eigentum der Stadt Dippoldiswalde, die sie als technisches Denkmal erhalten will. Für angemeldete Führungen (Tel. 03504/611880) engagiert sich insbesondere der Heimatverein Reichstädter Windmühle, der aus einer 1983 gegründeten Interessengemeinschaft hervorgegangen ist. 1999 baute er eine Aufenthaltsbaude in der Nähe, die vor allem Wanderern offen steht. Regelmäßig organisieren die etwa 30 Mitglieder Aktionen zum Mühlentag oder zum Tag des offenen Denkmals.

Navi-Adresse:
Hauptstraße 82a
01744 Dippoldeswalde/OT Reichstädt

Windmühle Zottewitz

Die Windmühle bei Zottewitz wird heute privat als Wohnhaus genutzt. Teile der Technik sind ausgebaut und noch zu besichtigen.
Die Windmühle bei Zottewitz wird heute privat als Wohnhaus genutzt. Teile der Technik sind ausgebaut und noch zu besichtigen. © radler59

Die Windmühle im Ortsteil Zottewitz der Gemeinde Priestewitz wurde 1721 das erste Mal urkundlich erwähnt. Sie wurde als Turmwindmühle errichtet, die nur in Hauptwindrichtung arbeiten konnte. Erst später kam die drehbare Haube hinzu, die sie zu einem sogenannten Turmholländer machte. Sie war immer im Privatbesitz. Seit 1904 gehört sie Familie Engelmann, die sie zumeist im Nebenerwerb nutzte. 1949 kamen die maroden Flügel ab, seitdem wurde mit Motokraft gemahlen, zuletzt nur noch Schrot. 1984 war auch dies kein einträgliches Geschäft mehr. Die Mühle war zu diesem Zeitpunkt in einem schlechten Zustand. Sie wurde zum Wohnhaus umfunktioniert, seit 1989 wohnen hier Engelmanns auf zwei von vier Etagen. Einst gab es zu Müllerszeiten auch einen Fahrstuhl. Die Mahl-Technik wurde ausgebaut, sie ist aber teilweise auf dem Grundstück noch zu besichtigen. Zum Beispiel auch ein rekonstruierter Walzenstuhl. Die Flügelwelle auf dem Kegeldach ist original restauriert worden, die vier Flügel allerdings sind nur noch Attrappen, um dem Äußeren einer Windmühle möglichst nahe zu kommen.

Navi-Adresse:
Lindenstraße 3a
01561 Priestewitz/OT Zottewitz    
 

Auch in der Oberlausitz stehen imposante Windmühlen, die einen Ausflug wert sind und eine interessante Geschichte haben. Hier geht es zum „Freizeitstätten spezial: Windmühlen der Oberlausitz“

Ein Beispiel für die Bockwindmühlen der Oberlausitz ist die Mühle in Kottmarsdorf.
Ein Beispiel für die Bockwindmühlen der Oberlausitz ist die Mühle in Kottmarsdorf. © Natur- und Heimatfreunde Kottmarsdorf e.V.

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