Sonntagsausflug: Auf den Rauenstein (Sächsische Schweiz)

Für mehr Weitblick: Kinderfreundliche Tour zum Rauenstein.

Von Marie-Luise Redlich
Von Wehlen nach Rathen - über den Rauenstein
Von Wehlen nach Rathen - über den Rauenstein © Marie-Luise Redlich

Auf unserem heutigen Ausflug soll es etwas sportlicher zugehen: Auf dem Plan steht der Aufstieg zum Rauenstein in der Sächsischen Schweiz. Dafür werden wir mit der S-Bahn bis nach Wehlen fahren, den Rauenstein passieren und schließlich in Rathen den Rückweg antreten. Diese Route ist auch für weniger Trainierte und Kinder gut machbar – Schwindelfreiheit und Kletterfreudigkeit sollte man allerdings im Gepäck haben. Zum Ausgleich verspricht die Tour wohltuende Bewegung für den vom Bürotag gebeutelten Rücken sowie ein abendlich erschöpft einschlafendes Kind. So hoffen wir zumindest.

Als Nicht-Autofahrende führt uns der erste Weg zum Bahnhof, wo wir die S-Bahn bis nach Wehlen nehmen. Die Strecke zwischen Dresden und der Sächsischen Schweiz wird regelmäßig befahren, auch am Wochenende – hier kann man sich also auch ganz spontan und zeitlich flexibel für einen Ausflug entscheiden. Die Fahrt dauert, je nach Zustieg, eine gute halbe Stunde und bietet schon bei der Anreise einen schönen Ausblick auf das Elbtal und die Sandsteinmassive, die nach und nach zu beiden Seiten aufragen.

Mit der S-Bahn kommt man bequem direkt nach Wehlen zum Start der Tour.
Mit der S-Bahn kommt man bequem direkt nach Wehlen zum Start der Tour. © Marie-Luise Redlich

Am Bahnhof „Stadt Wehlen“ begegnen uns sofort zahlreiche Wegmarkierungen zu verschiedenen Routen sowie eine übersichtliche Karte der umliegenden Wanderpfade und Ziele: Nicht nur der Rauenstein ist von hier aus gut erreichbar – wer will, kann sich auch zu den Bärensteinen, zur Bastei oder in den Uttewalder Grund aufmachen. Auch der Malerweg ist hier direkt zugänglich. All diese Ziele sind für lauffreudige und sicher kletternde Vorschulkinder bereits gut zu bewältigen.

Wer die Wahl hat... darf gern noch einmal wiederkommen.
Wer die Wahl hat... darf gern noch einmal wiederkommen. © Marie-Luise Redlich

Das Highlight einer Tour durch die Sächsische Schweiz sind für Kinder, ganz klar, die Klettereinheiten: die unzähligen Treppen, Stufen und Felsspalten, die es zu bezwingen gilt. Da die S-Bahn aber nun einmal innerorts im Bahnhof und nicht irgendwo im Wald halt macht, geht es noch einige Minuten vorbei an den Bahngleisen. Wir durchqueren bei herrlichstem Frühlingswetter die kleinen Gassen Wehlens, vorbei an hübschen Häusern und blühenden Vorgärten. Wacker halten wir die etwa 50-fache Wiederholung der Frage „Wann kommen endlich die Felsen? Ich möchte klettern!“ aus und entdecken an jeder Ecke neue Überraschungen und liebevoll gestaltete Details.

Kreative Vorgarten-Kunst.
Kreative Vorgarten-Kunst. © Marie-Luise Redlich
Werden wir etwa beobachtet?
Werden wir etwa beobachtet? © Marie-Luise Redlich

Im Übrigen ist der Weg hervorragend gekennzeichnet – ein Verlaufen ist hier ausgeschlossen. Und ganz nebenbei wird das Spiel „Zähle alle gelben Wegmarkierungen zum Rauenstein“ zur idealen Beschäftigung für den gesamten Sonntagsausflug.
Begleitet von strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel führt uns der Wanderpfad schließlich weg von der Straße und hinein in den Wald. Endlich beginnt das Klettervergnügen.

Jetzt wird bald geklettert.
Jetzt wird bald geklettert. © Marie-Luise Redlich

Ab jetzt sehen wir unsere Tochter fast ausschließlich von hinten – leichtfüßig wie ein Äffchen rast sie voraus. Ein wenig gemächlicher zockeln mein Mann und ich hinterher und freuen uns an dem über uns grün leuchtenden Blätterdach, aus dem es um uns herum pausenlos zwitschert und singt.
Die Klettermöglichkeiten sind einfach zu verlockend: Über skurrile Sandsteinformationen führt unser Weg, und so manches Mal haben wir einen tollen Ausblick auf das Elbtal, während wir uns höher und höher schrauben.

Wichtigstes Utensil: Der selbstergatterte Wanderstock.
Wichtigstes Utensil: Der selbstergatterte Wanderstock. © Marie-Luise Redlich
Wem der normale Weg zu langweilig erscheint, findet Kletteralternativen.
Wem der normale Weg zu langweilig erscheint, findet Kletteralternativen. © Marie-Luise Redlich
Schwindelfrei? Unter kleinen Brücken geht es abwärts.
Schwindelfrei? Unter kleinen Brücken geht es abwärts. © Marie-Luise Redlich

Die zahlreichen Steinplateaus laden immer wieder zu einem Verweilen und Picknicken ein. Es lohnt, Proviant, ausreichend zu Trinken und vielleicht eine kleine Decke dabei zu haben. Natürlich gilt hier trotzdem: Im Vorfeld klar mit den Kindern den Sicherheitsabstand zum Felsrand besprechen – es geht tief abwärts!

Picknick mit Premium-Aussicht.
Picknick mit Premium-Aussicht. © Marie-Luise Redlich

Schließlich erreichen wir den Bergkamm und genießen ob der spärlicher werdenden Bäume eine grandiose Aussicht, unter anderem auf die Bastei auf der anderen Elbseite. Nebeneffekt: Hier brutzelt ordentlich die Sonne – und wer nicht mitbrutzeln möchte, sollte bei gutem Wetter dringend die Sonnencreme dabei haben.
Weiter geht es auf schmalen Stiegen, Treppchen, Sandsteinstufen – wahlweise auch auf allen Vieren, wenn die Kinderbeine noch ein Müh zu kurz sind. Egal – hier gilt voller Körpereinsatz! An mancher Stelle wird es steil, aber in der Regel findet man guten Halt an den Geländern.

Keine Chance gegen das Tempo einer Fünfjährigen.
Keine Chance gegen das Tempo einer Fünfjährigen. © Marie-Luise Redlich
Es ist ein schmaler Grad, der nach oben führt...
Es ist ein schmaler Grad, der nach oben führt... © Marie-Luise Redlich
Gut festhalten!
Gut festhalten! © Marie-Luise Redlich

Auf dem Höhepunkt unserer Tour erreichen wir den obersten Punkt des Rauensteins und legen in der Berggaststätte „Fels Rauenstein“ eine Pause ein. Hier gibt es Getränke, Eis, Süßes und Herzhaftes – bei Schlechtwetter kann zudem im Gastraum verweilt werden, der mit großflächigen Panorama-Fenstern auf die Landschaft einen wunderbaren Ausblick auf die Umgebung bietet.

Auf dem Rauenstein gibt es die wohlverdiente Rast.
Auf dem Rauenstein gibt es die wohlverdiente Rast. © Marie-Luise Redlich

Bei dem heutigen Bilderbuch-Wetter zieht es uns jedoch an einen der Tische im Freien, unter schattige Bäumen. Von hier haben wir einen guten Blick auf den Lilienstein, der sich markant im Elbsandstein-Panorama abzeichnet.

Lilienstein-Panorama.
Lilienstein-Panorama. © Marie-Luise Redlich

Frisch gestärkt geht es nun an den Abstieg in Richtung Rathen. Wieder ist die Beschilderung sehr zuverlässig und führt uns ohne einen Blick auf die Landkarte zum Ziel. Der Rückweg ist nun weniger felslastig und kletterintensiv, stattdessen geht es über viele Stufen und weichen Waldboden zurück ins Tal. An dieser Stelle schließt sich übrigens ein nächster, unschlagbarer Dauerbrenner eines Kinderzeitvertreibs an: Stufen zählen. Viele, viele Stufen. Wie schön!

Zurück zum Bahnhof Rathen.
Zurück zum Bahnhof Rathen. © Marie-Luise Redlich
Einmal Stufen zählen, bitte.
Einmal Stufen zählen, bitte. © Marie-Luise Redlich

Und natürlich gibt es auch hier immer wieder kreative Ideen der Natur zu bewundern.

Dreibeinige Bäume?
Dreibeinige Bäume? © Marie-Luise Redlich

Ehe wir am Bahnhof Rathen in die S-Bahn steigen, werden wir auf ein auffällig lautes und vielstimmiges Zwitschern aufmerksam: Unter dem Dach des Wartehäuschens haben sich zahlreiche Schwalben zum fleißigen Nestbau entschieden. Es flattert, piepst und singt – wir zählen 15 Nester!

Schwalben-WG im Wartehäuschen.
Schwalben-WG im Wartehäuschen. © Marie-Luise Redlich

Was für ein schöner Tagesabschluss! Und jetzt: Ab nach Hause. 

Weitere Sonntagsabenteuer gibt es hier.

Frühlingsfarben.
Frühlingsfarben. © Marie-Luise Redlich