Im Rampenlicht

Die Augusto-Kolumne - diesmal an die Weihnachtsgans Auguste.

Von Tom Vörös
Kolumnen-Autor Tom Vörös in Aktion.
Kolumnen-Autor Tom Vörös in Aktion. © DDV-Media

Liebe Weihnachtsgans Auguste,

seitdem ich Dich gestern mal wieder durch das DDR-Dresden über meinen West-Bildschirm watscheln sah, im Film „Weihnachtsgans Auguste“, da überkam mich für circa 110 Minuten das klamme Gefühl, dass es wieder nur zwei Programme im Fernsehen gibt. Dass die Welt da draußen wieder sehr klein, ja durchaus winzig ist. Und dass sich die Urlaubssehnsucht wieder zwischen Fichtelberg und Kap Arkona, in mutigen Momenten auch mal zwischen Sachsen und Balaton erstreckt. Und plötzlich war sie wieder da, die DDR-Weihnacht. Auch in den 80er-Jahren hat man uns ja ein bisschen ein- bzw. ausgesperrt von vielerlei weltlichen Dingen. Und gerade zur Weihnachtszeit rutschte der Kinderfinger erstaunt bis wehmütig über den mit Narva-Glühbirnen beleuchteten Plastik-Globus, der das Offensichtliche zeigte: Das alles wird uns wohl für immer verborgen bleiben. Seltsamerweise war da aber auch ein Gefühl, dass das alles irgendwie auch in Ordnung ist und wir trotzdem fröhlich feiern können.
Zurzeit müssen oder wollen wir unsere Welt auch wieder freiwillig begrenzen. Und zumindest will man glauben, dass dieser Zustand nicht ein Leben lang andauert. Dass wir uns alle irgendwann einmal wiedersehen, im Klub, in der Oper oder im Urlaub am Balaton. So langsam werden Freunde, Kollegen und selbst die Familie zu einer Art Westverwandtschaft, nur die Pakete fehlen noch. Liebe Weihnachtsgans Auguste, auch Deine Weihnachtszeit im Hause des Opernsängers Luitpold Löwenhaupt war örtlich begrenzt und Du wurdest „liebevoll“ an die Leine genommen. Aber Du hast auch eine besinnliche Weihnacht erlebt, die es so vielleicht nie wieder gibt.