Nach dem Lockdown in die DDR

Eine Dresdner Plattenbau-Wohnung wird zum Ausstellungsraum der Installation „Wohnmaschine 2.0“ des Cottbusser Künstlers Martin Maleschka.

Von Tom Vörös
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Orangefarbene Erinnerungen: Der Künstler Martin Maleschka in der Ausstellung. Auch eine farblich passende Amiga-Schallplatte von Dagmar Frederic ist dabei. © Jens Kirchschläger / PR

Zwar befindet sich die gesamte Museumslandschaft derzeit wie in einer unsichtbaren Corona-Vitrine. Doch wenn alles gutgeht, dann darf man bald wieder einreisen in die gute alte DDR bzw. in eine besondere Ausstellung. Die Eröffnung ging gerade noch über die Bühne und so kann man sich im November schon mal vorbereiten, auf eine Zeitreise hinter den Eisernen Vorhang.

Denn eine Gorbitzer Plattenbau-Wohnung der Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft hat der Cottbusser Künstler Martin Maleschka zum Retro-Ausstellungsraum umfunktioniert. „Wohnmaschine 2.0“ heißt die Installation, die eine typische WBS 70-Ein-Raum-Wohnung der EWG in Dresden-Gorbitz zur Ausstellung macht. Laufen sollte sie bis Dezember, jetzt wurde sie coronabedingt bis 2021 verlängert.

Das Geheimnis der Farbe Orange

Zu sehen sind Alltagsgegenstände aus der DDR-Zeit, die einerseits Erinnerungen wecken, andererseits neue Sichtweisen auf die Dinge von damals ermöglichen sollen. Ob Seifendose oder Thermoskanne, ein Korb für Wäscheklammern oder der unverwüstliche Mixer RG 28 – alle Gegenstände wurden in der DDR designt und gehörten zum Alltag vieler Menschen. Allen Ausstellungsstücken gemeinsam ist die Farbe Orange. „Orange war die dominierende Farbe der 70er Jahre“, sagt Martin Maleschka, der 1982 in Eisenhüttenstadt geboren wurde, Architektur studierte und sich mit dem Prozess der urbanen Transformation in Hinsicht auf das baukulturelle Erbe der DDR beschäftigt. „Auch die ersten Plattenbauten vom Typ WBS 70 entstanden in dieser Zeit. Mit der Farbe Orange möchte ich die Verbindung zu dem ungewöhnlichen Ausstellungsraum in einer Plattenbauwohnung betonen.“ Die Wohnung befindet sich in einem Haus auf der Hainbuchenstraße 10, das 1985 gebaut wurde und misst circa 36 Quadratmeter. Das Haus ist eins der letzten unsanierten Gebäude der EWG und soll in den nächsten Jahren komplett modernisiert werden.

In seiner Installation ordnet der Künstler die Gegenstände unabhängig von ihrer Funktion an und gestaltet ein geometrisches Muster, das einen spannenden Draufblick bietet. „Durch die unterschiedlichen Formen, Höhen und Maße ergibt sich eine Silhouette, die – stellt man sich den Blick aus einem Flugzeug vor – an eine Stadt aus der Vogelperspektive erinnert.“ Die Ausstellungsstücke sind Leihgaben aus den Depots des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt.

Für die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft ist die Ausstellung eine Bereicherung. „Wir freuen uns sehr, dass wir der Ausstellung mit einem unserer letzten ,ostalgischen‘ Wohngebäude den passenden Rahmen bieten können“, erklärt Vorstand Antje Neelmeijer.

„Wohnmaschine 2.0“

Die Ausstellung läuft bis 2021, der Eintritt ist frei. Aktuelle Öffnungszeiten zu erfragen unter Tel. 0351 8045708 / galerie@raskolnikow.de

Weitere Infos: www.kunstoffplattenbau.de